Honigglas oder Honigglas

Honigglas oder Honigglas

Zum Imkern gehört eine gewisse … naja, ‚Leidenschaft‘ ist vielleicht ein wenig hochtrabend formuliert … aber sagen wir mal, zum Imkern gehört eine gewisse Überzeugung. Zumindest kenne ich keinen Imker, der rein zufällig, oder nur so lala dabei wäre. Da wird nicht nur Honig gewonnen, da wird Gold geschürft. Für ein Glas Honig sind die kleinen geflügelten Damen immerhin an die 100.000mal ausgeflogen und als Imker hütet und pflegt man mit viel Liebe und Engagement seine fleißigen Amazonen. Vielleicht ist es diesem hohen Einsatz geschuldet, dass bei gelegentlich auftretenden Meinungsverschiedenheiten, dem einen oder anderen Imker die Gemütstemperatur dann auch schon mal gehörig entgleisen kann. So geschehen bei der Frage, ob man seinen Honig in ein Glas des Deutschen Imkerbundes abfüllt – etwas schmucklos, aber deutschlandweit genormt und fest definierten Qualitätsstandards verpflichtet – oder aber in irgendein bunt bedrucktes und eben keinen Qualitätsstandards unterworfenes x-beliebiges Honigglas. Man möchte meinen, eigentlich keine so große Sache, soll doch jeder machen wie er lustig ist. Ich z.B. fülle den Honig meiner Bienenvölker in die genormten Gläser des Deutschen Imkerbundes ab, dafür habe ich schließlich Schulungen besuchen und Prüfungen ablegen müssen, es ficht mich aber auch nicht an, wenn ein anderer Imker meint, sein persönliches Glück hängt zwingend an einem nicht genormten kunterbunt bedruckten Glas. Jedenfalls führte die so trügerisch harmlos erscheinende Frage, welches Honigglas es sein soll, in unserem Imkerverein zu einer ganz ungesund hitzigen Diskussion. Der – wie man so schön sagt – Rubikon war überschritten, als den bunten-x-beliebig-Gläser-Verfechtern vorgeworfen wurde, in diesen Gläsern könnte ja alles sein, sogar Honig aus – und jetzt Obacht – Spanien. Tja, ich persönlich habe schon ganz hervorragenden und edlen Honig aus Spanien kosten dürfen, aber der war hier wohl nicht gemeint, denn die bunte-Gläser-Anhänger meinten so tödlich beleidigt worden zu sein, dass es auf Messers Schneide zwischen Herzinfarkt und Handgreiflichkeit stand. Seitdem sind die beiden beteiligten Parteien nicht mehr bereit, sich auch nur im gleichen Raum aufzuhalten. So sieht’s aus. Also, ich war heute Morgen wieder bei meinen Bienen und habe mich an ihnen und schon reichlich eingetragenem Honig erfreut, den ich wenn alles gut geht, in ein paar Wochen in Gläser des Deutschen Imkerbundes abfüllen werde, sonst denkt am Ende noch jemand, der könnte aus … z.B. Spanien? … sein.

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